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Zapatos Rojos: Jedes Schuhpaar ein Femizid

Zapatos Rojos: Jedes Schuhpaar ein Femizid

· Zuletzt bearbeitet: 6. Mai 2026 · 3 Min. Lesezeit

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Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen machen Organisationen und Institutionen wie in Wildeshausen auf Femizide und häusliche Gewalt aufmerksam. Im Vorjahr stiegen die Opferzahlen deutlich an.

3 Min. Lesezeit

Dieser Beitrag ist zuerst im Delmenhorster Kreisblatt erschienen.

133 rote Paar Schuhe stehen auf dem Vorplatz des Kreishauses in Wildeshausen. Sie symbolisieren die Frauen, die 2022 in Deutschland von ihrem Partner oder dem Ex ermordet worden sind. Jeden dritten Tag eine.

Femizide: Lokales und globales Problem

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November wollen die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Oldenburg und der Stützpunkt Häusliche Gewalt in Wildeshausen auf das Thema aufmerksam machen. Denn auch vor Ort geschieht häusliche Gewalt: Im Vorjahr zählte die Polizei fast 300 Opfer im Landkreis. Auch sie können in ihrem sozialen Umfeld nicht sicher Leben. „Das darf nicht hingenommen werden“, sagte Britta Hauth, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.

Femizide seien dabei nur die traurige „Spitze des Eisbergs an geschlechtsspezifische Gewalt“, stellte Hauth klar. Sexistische Witze, Belästigung, Stalking, Gewalt und eben Mord seien die Folgen der mach wie vor ungleichen Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern. Die Gewalt passiere häufig im sozialen Nahbereich der Frauen. „Niemand von uns darf die Augen verschließen“, forderte sie. Prävention sei eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Unter einem Umfeld der Gewalt litten häufig auch die Kinder.

Aus Aktion wird soziale Bewegung

Die roten Schuhe stehen seit 2009 symbolisch für die Femizide, die weltweit begangen werden. Die mexikanische Künstlerin Elina Chauvet installierte sie damals unter dem Titel „Zapatos Rojos“ (rote Schuhe) in Juárez Chihuahua zum ersten Mal auf einem öffentlichen Platz, um auf die Opfer hinzuweisen. Bei einem Marsch für 33 anwesende Frauen kamen dann immer mehr Unterstützer hinzu, in der Folge entstand eine soziale Bewegung. „Es ist ein Appell an unser Gewissen, sich mit den Frauen weltweit zu solidarisieren, die Gewalt erfahren haben; und ein Appell, sich um die Frauen, Mädchen und Jugendlichen zu sorgen, die nach wie vor unter den gleichgültigen Blicken der Behörden verschwinden oder ermordet werden“, sagt Chauvet selbst über die roten Schuhe.

Eine Gruppe von Menschen läuft mit roten Schuhen auf dem Boden durch einen Park.
Vor dem Kreishaus in Wildeshausen stehen 133 Paar rote Schuhe. Sie symbolisieren die Anzahl an Femiziden 2022.

Dieser Gleichgültigkeit tritt der Landkreis Oldenburg entschieden entgegen. Zur Ausstellung kamen Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, Polizei und Gerichte. Nur seien es wieder einmal „viel zu wenig Männer, die an der Veranstaltung teilnehmen“, beobachtete Landrat Christian Pundt. Die Installation lobte er als prägnant und symbolträchtig; sie habe viel Neugierde erzeugt und die Nachfrage zum Thema verstärkt. Studien und Nachrichten zeigten, dass Gewalt gegen Frauen ein Thema von trauriger ebenso wie zunehmender Bedeutung sei. „Ich hoffe, dass wir es in den Vordergrund schieben können“, sagte er. Besorgt verwies Pundt außerdem auf jüngste Umfragen, dass Gewalt wieder zunehmend probates Mittel angesehen wird.

Erfahrungen aus der Praxis

Mit dem Neubau verfügt der Stützpunkt Häusliche Gewalt über zehn statt bisher sechs Plätze. Wie notwendig die Erweiterung war, erläuterten die Leiterin des Frauenhauses, Aike Elling, und die Leiterin der Beratungszentren, Andrea Fragge:

Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Podium.
V.l.: Britta Hauth (Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Oldenburg), Julia Logemann (Gleichstellungsbeauftragte Stadt Wildeshausen), Aike Elling (Leiterin Frauenhaus), Andrea Fragge (Leiterin Beratungszentrum) und Christian Pundt (Landrat).
  • Im Grunde gibt es keinen Leerstand.
  • An rund 100 Tagen im Jahr herrschte in der Vergangenheit Vollbelegung – Frauen mussten daher in eine andere Einrichtung verlegt werden.
  • Im Jahresdurchschnitt liegt die Auslastung bei 60 Prozent.
  • Der durchschnittliche Aufenthalt beträgt 25 Tage.

Auch die beiden sprachen von einer steigenden Zahl an Fällen häuslicher Gewalt im Landkreis mit hoher Komplexität. „Der Landkreis hat ein gut funktionierendes Netz“, lobte Fragge die Infrastruktur. Durch kurze Wege sei eine schnelle Unterstützung möglich. Außerdem lasse sich mit der Täterarbeit Gewalt vorbeugen, bevor sie passiere, ergänzte Elling: „Oft ist das Ende der Gewalt und nicht die Trennung gewünscht.“ Femizide ließen sich verhindern und eine Beratung könne nie zu früh stattfinden.

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