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    Faschismus und Körperpolitik: Gemeinsamkeiten zwischen dem NS-Regime und den Taliban

    · Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

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    Es ist eine seltsame Sache mit den Faschisten. Von außen denkt man, sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber fängt man an, sich ein bisschen anzuschauen, was sie so treiben, entdeckt man erstaunliche Gemeinsamkeiten. Was also hat das Dirndl mit der Burka zu tun? Erstmal muss man natürlich an ein Plakat der AfD denken, auf dem sie schreibt „Dirndl statt Burka“, aber politikwissenschaftlich betrachtet gibt es deutlich mehr Gemeinsamkeiten.

    Das Dirndl, wie wir es heute kennen und wie es auf sämtlichen Oktoberfesten, die nicht nur in München stattfinden, getragen wird, wurde unter Hitler entwickelt. Brust und Taille wurden besonders betont. Freilich gab es auch davor schon Dirndl als Tracht. Aber dieses spezielle Dirndl, wie wir es heute kennen, entstand eigentlich in der Nazizeit. Ein bisschen kürzer sind die Röcke seitdem geworden, aber der Grundschnitt ist derselbe geblieben. Eine deutsche Einheitstracht wollte Hitler da schaffen oder besser gesagt schaffen lassen. Er wollte vereinheitlichen, was nicht einheitlich ist: die deutsche Vielfalt, die sich aus ihren regionalen Brauchtümern, Traditionen, Trachten, Dialekten und so weiter schweißt. Denn Deutschland ist Vielfalt und Deutschland war auch schon Vielfalt, bevor 2015 so viele Geflüchtete ins Land kamen. Nun hat Hitler also die Einheitstracht erfinden lassen, um den deutschen Volkskörper auch entsprechend zu betonen.

    Doch wie geht das jetzt mit der Burka zusammen? Auch die Taliban verfolgen mit ihrer Kleiderpolitik ein spezielles Frauenbild. Die Taliban möchten, dass Frauen praktisch nicht öffentlich präsent sind. Man soll ihr Gesicht nicht sehen, ihren Körper nicht sehen, ihre Formen nicht sehen. Darüber hinaus soll man sie am besten auch nicht hören. In jedem Fall ist so die Burka zu einem Symbol für das geworden, wie die Taliban möchten, dass Frauen sich kleiden. Wer schon mal in Afghanistan war, weiß, dass es eigentlich viel mehr um den Chador geht, eine dort traditionelle Verschleierung. Die blaue Burka ist dort gar nicht unter dem Namen Burka bekannt, doch das nur nebenbei. Wir bleiben bei den hier üblichen bekannten Begriffen, also der Burka.

    Wir haben nun also schon die erste Parallele gefunden. Sowohl die Taliban als auch die Nazis wollten oder wollen den Frauenkörper auf eine bestimmte Art öffentlich zur Schau stellen. Die Zurschaustellung der Taliban besteht vor allem darin, ihn eben nicht zur Schau zu stellen, aber genau dadurch ist er zum Symbol geworden. Die Banner und Poster der Taliban zur korrekten Verhüllung von Frauen, die sie seit ihrer Machtergreifung fleißig verbreiten und aufhängen lassen, tragen natürlich überdies dazu bei. Weil so ist zwar die Frau als Individuum quasi aus dem öffentlichen Bild verschwunden, die Frau als Symbol hingegen ist aber omnipräsent – eben als dunkle, verhüllte Gestalt.

    Beim Dirndl geht es ein wenig anders zu. Hier ist der Frauenkörper deutlich erkennbar, allerdings auch in einer bestimmten Form. Taille und Brust werden wortwörtlich geformt und in diese Idealform gebracht. Es geht also auch hier nicht etwa um die jeweilige Frau und um ihre jeweiligen Körperformen, sondern darum, möglichst viele Frauen in eine möglichst einheitliche Form zu pressen. Individualität ist auch hier nicht gewünscht. Zwar sieht man das Gesicht und auch ordentlich was von der Haut, aber das macht die Sache nicht persönlicher.

    Wenn man Dirndl und Burka hinter sich lässt, gibt es noch mehr Parallelen zwischen den Taliban und den damaligen Nazis. Die Hauptaufgabe der Frau besteht oder bestand in beiden Regimen darin, möglichst viel Nachwuchs in die Welt zu bringen. Die Frau quasi als Gebärmutter des Staates oder des Volkskörpers. Bei den Taliban geschieht das vor allem dadurch, dass Frauen eigentlich nichts mehr erlaubt ist, außer Kinder zur Welt zu bringen. Ein wenig absurd ist es, dass sie dabei auch kaum bis gar keine medizinische Unterstützung erhalten. Logisch sind solche Regime eben nicht.

    Doch nicht nur bei den Frauen gibt es Parallelen zwischen den bärtigen Faschisten und den eher glattrasierten Herren in den Uniformen von damals. Die Taliban haben schon relativ zu Beginn ihrer Herrschaft Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen gestrichen, für Drogensüchtige, für psychisch Kranke. Wer psychisch ein Problem hat, ist sowieso von einem Dschinn besessen, und Psychotherapie oder Psychologie machen demzufolge gar keinen Sinn. Wer krank ist, ist auch irgendwie selbst schuld. Hier teilen sich die Taliban und die Nazis weitgehend dasselbe Gedankengut. Wer nicht gesund ist, hat eben nicht gut auf seinen Körper aufgepasst oder so ähnlich. Eugenik lässt grüßen. Vernichtungslager gibt es bei den Taliban noch keine, vernichtet wird allerdings durchaus trotzdem systematisch. Menschen mit Behinderung ohne Unterstützungsangebote sind relativ oft zumindest von Mangelernährung betroffen, wenn nicht gar dem Tod geweiht. Was macht etwa eine Frau, die eine Behinderung hat, nicht arbeiten darf und keine Unterstützung bekommt?

    Und noch eine dritte Gruppe lohnt es sich zu betrachten: queere Menschen, besonders hervorzuheben sind dabei Transpersonen. Die Taliban meinen, dass es für queere Menschen im Allgemeinen und für Transpersonen im Speziellen eigentlich nur eine korrekte Umgangform gibt: Man sollte sie öffentlich steinigen oder aber eine Mauer über ihnen zum Einsturz bringen, was im Grunde beides demselben grausamen Tod entspricht. Queere Menschen können häufig ihre Art zu lieben oder zu leben verschleiern. Transpersonen haben in Afghanistan ein besonderes Problem. Da die Anpassung ihres Geschlechtseintrags auch unter der vorherigen Regierung nicht möglich war, steht in ihren Pässen ihr Geburtsgeschlecht. Vergleicht man es mit der Optik, fliegen sie schnell auf. Wieso das jetzt besonders relevant ist? Die Taliban haben das Land mit einem Netz aus Checkpoints überzogen. Man kann sich kaum durch einen Ort bewegen, ohne mehrfach angehalten und kontrolliert zu werden. Dabei finden immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen oder ganz anlasslos auch Ausweiskontrollen statt.

    Die Beispiele zeigen: Die Taliban und die deutschen Nazis haben mehr gemein, als beiden Gruppen wohl lieb sein dürfte. Oder anders: Faschisten sind eben Faschisten.

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